Mission Naturschutz im Biosphärenreservat

flo 1. August 2006

UrlaubsRanger erfüllen weltweit einzigartiges Naturschutzprojekt aktiv mit Leben

Was vor über einem Jahr auf der Halbinsel Mönchgut im Südosten der Insel Rügen seinen Anfang nahm, hat sich besonders in den letzten Wochen und Monaten zu einem absoluten Highlight in Sachen Aktivurlaub entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dem Naturschutzbund Rügen (NABU) initiiert, ist das vom AVR-Family Club Göhren ins Leben gerufene Projekt „UrlaubsRanger im UNESCO Biosphärenreservat Südost-Rügen“ eine echte Mission für den Naturschutz. Erwachsene, Jugendliche und Familien können an Land und zu Wasser Aktivurlaub mit Naturschutz verbinden, indem sie ihre Umwelt im Biosphärenreservat beobachten, ihre Befunde dokumentieren und dabei gleich noch etwas zum Schutz der besonderen ökologischen Gegebenheiten beitragen.

So gehen die UrlaubsRanger etwa zweimal wöchentlich mit dem traditionellen Marinekutter „Seedüwel“ auf „Patrouille“. Beim sogenannten Having Monitoring genießen die Gäste des Family Clubs nicht nur eine atemberaubende Landschaft. Sie fahren auf den Greifswalder Bodden hinaus, um Vögel zu beobachten, zu kartieren und zu prüfen, ob seltene Arten wieder heimisch geworden sind. Nebenbei achten sie darauf, dass keine Motorboote die sensiblen Flachwasserbereiche der Having befahren. Um die Wasserqualität des Boddens zu überprüfen, entnehmen die UrlaubsRanger unter Anleitung einer Biologin Wasserproben aus verschiedenen Tiefen.

Durch ihren Einsatz unterstützen die Gäste des Family Clubs den WWF dabei, das Gebiet als den wichtigen Lebensraum für Brut- und Rastvögel zu erhalten, der er heute ist. Denn ohne das Engagement der freiwilligen Ranger wären diese wichtigen Untersuchungen wegen Personalmangels kaum möglich.

Auch an Land gehen die UrlaubsRanger für den Naturschutz auf Streifzug. Kürzlich war die Truppe unterwegs, um die Jäger der Nacht hautnah zu erleben. Während draußen langsam die Sonne untergeht, tauchen die UrlaubsRanger hinter verschlossenen Türen in die Welt der Fledermäuse ein. „Heute Abend werden wir die Jäger in Aktion sehen – und hören“, verspricht Jens Otto. „Das Gesicht könnt ihr euch schon einmal merken“, meint der Fledermausexperte und durch die Hände der UrlaubsRanger wandert das Bild eines plüschigen Wesens, mit spitzen Zähnen, großen Ohren und weit abgespreizten Flughäuten. Nur etwa eine Stunde später erleben die UrlaubsRanger den Abendsegler leibhaftig – als schwarze Silhouette, die im Zickzackflug in den Abendhimmel hineinjagt. Gesehen haben einige Gäste die nachtaktiven Tiere schon früher. Gehört hat sie noch niemand. Heute Abend übersetzt ein Fledermaus-Detektor die Rufe der Tiere in Frequenzen, die auch menschliche Ohren wahrnehmen. Anders als Menschen sehen Fledermäuse sozusagen mit den Ohren. Hinter der Göhrener Kirche enttarnt der Detektor eine Zwergfledermaus, die sich offenbar gerade einem Insekt nähert. Immer schneller folgen die seltsam klappernden Ortungslaute aufeinander – dann ist es still, die Fledermaus frißt und verdaut.

Ganz anderes gibt es beispielsweise in den Zicker Bergen zu entdecken, denn wer hier die Augen schließt, könnte glauben, Rügen wäre eine Insel im Mittelmeer: Zikaden verleihen dem südlichen Ende Rügens mit ihrem Zirpen das Flair einer sizilianischen Olivenplantage. Auch was die Temperaturen angeht kann es hier, im südlichen Teil des Biosphärenreservates Südost-Rügen, ziemlich heiß hergehen. Um die 70 Grad Celsius können in Bodennähe während der Sommermonate erreicht werden. Hitze, Trockenheit, Nährstoffarmut und hohe Sonneneinstrahlung machen diesen Lebensraum zu einem Extremstandort – Tiere und Pflanzen mußten erfinderisch sein, um überleben zu können. Fleischige Blätter etwa, Schutzpigmente, die wirken wie Sonnencreme, oder ein greisenhaftes, weißes Haarkleid schützen vor Austrocknung und Sonnenbrand. Nicht umsonst finden sich hier zahlreiche Arten, die auch im mediterranen Raum zu Hause sind: Oregano beispielsweise gehört dazu.

Nach diesen erstaunlichen Erkenntnissen heißt es flott zurück ins Beach Camp, wo UrlaubsRanger Jens zusammen mit seinen Gästen eine Lehmwand für die Schornsteinwespe in das Insektenhotel eingebaut hat. Hier hat sich inzwischen die Schornsteinwespe einquartiert, die, als „Tier der Woche“, das nächste Studienobjekt darstellt. Ihr bevorzugtes Baugebiet sind sonnige Lehmwände, in die sie mit ihren starken Kauwerkzeugen kleine Löcher nagt. Das herausgearbeitete Material klebt sie Schicht für Schicht wie einen Schornstein auf die Bruthöhle. Wer ein solches Kunstwerk zu Gesicht bekommen will, muß pünktlich sein. Denn die bizarren Konstruktionen lassen sich nur zwischen 14 und 15 Uhr bestaunen – danach räumt die Wespe den aufgetürmten Lehm wieder ab und verschließt damit das Nest, in das sie in der Zwischenzeit ihr Ei abgelegt und einen Vorrat an Raupen für ihre Larve verstaut hat. Angst vor den kleinen Tierchen muß niemand haben, denn obwohl sie Wespen sind, sind sie äußerst friedlich. Das Abenteuer UrlaubsRanger beginnt bereits in der unmittelbaren Umgebung von Göhren. Seltene Tier- und Pflanzenarten finden sich hier.

Am Göhrener Südstrand erwartet die Gäste eine imposante Uferschwalben-Kolonie. Hier ist ein scharfer Blick gefragt. Derzeit ist das Biosphärenservat Südost-Rügen mit seinen Steilufern einer der bedeutendsten Verbreitungsschwerpunkte der Uferschwalben an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Seitdem das Projekt UrlaubsRanger 2005 zusammen mit WWF und NABU aus der Taufe gehoben wurde, stehen die Steilwände am Göhrener Südstrand unter aufmerksamer Beobachtung. Zum Ende der Brutsaison des letzten Jahres hatten um die 300 Brutpaare ihre Brutröhren in die vegetationslosen Bereiche der Steilküste gegraben. In diesem Jahr führen die UrlaubsRanger abermals eine Zählung durch, denn die Populationsgröße kann sich mit schwankenden Umweltbedingungen rasch ändern. Die UrlaubsRanger sammeln somit wichtige Daten, mit denen der NABU den Schutz der Uferschwalben vorantreiben kann. So schön, lehrreich und nützlich kann Aktivurlaub im AVR-Family Club Göhren sein.

Weitere Informationen und Buchungsofferten
unter Telefon 03 83 08/6 66 60 oder www.avr.de
beim AVR-Family Club Göhren.

Quelle: rügen aktuell 08.06

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