Archiv für die Kategorie 'Unsere Schützlinge'

Ihre Bestellung bitte?

21. Juni 2022

Heute krabbelte mir rund um Göhren einiges über die Füße. Den Anfang machte ein Käfer, der mich stark an einen Hirschkäfer erinnerte. Aber irgendetwas stimmte nicht: die Klauen waren zu klein, die Körperform untypisch. Ein Blick in das Bestimmungsbuch verriet, es war ein Balkenschröter, der im Volksmund oft „kleiner Hirschkäfer“ genannt wird. So verkehrt lag ich also nicht. Hirschkäfer und Balkenschröter stammen aus der Familie der Schröter und haben eine ähnlich Lebensweise. Die Larven wachsen für 2-3 Jahre im Totholz und ernähren sich davon. Die Erwachsen Käfer bleiben den Bäumen loyal, denn im höheren Alter genießt der Balkenschröter die Säfte der Bäume. Besonders die Geschmacksrichtungen Eiche und Rotbuche sind beliebt.

Als guten Drink bezeichnet das Kleine Wiesenvögelchen hingegen wohl eher den süßen Nektar von Thymian oder Acker-Witwenblume. Das Kleine Wiesenvögelchen ist kein Vogel, der sich an Blumen verköstigt, sondern ein Schmetterling. Dieser lebt in offnen Lebensräumen wie Wiesen, Weiden, Ruderalflächen etc. Besonders große männliche Kleine Wiesenvögelchen verteidigen dort ihr Revier mit den sich darin befindlichen leckersten und besten Futterpflanzen. Zwischen Februar bis November können wir das kleine Wiesenvöglein in meistens 2-3 Generationen fliegen sehen. Einfach schön!

Acker-Wachtel…Was?

17. Juni 2022

Acker-Wachtelweizen! Versuch einmal, das 10-mal schnell hintereinander zu sagen. Das ist ein richtiger Zungenbrecher! Gleich drei Vertreter der Gattung Wachtelweizen traf ich heute auf meiner Wanderung durch das Mönchgut. Die farbenfrohen Halbschmarotzer sind kaum zu übersehen. Der botanische Gattungsname Melampyrum leitet sich von den griechischen Wörtern melas für „schwarz“, pyros für „Weizen“ ab. Denn, wenn sich früher Wachtelweizensamen, die ähnlich aussehen wie Weizenkörner, in das geerntete Korn schummelten, konnte das zu Mehlvergiftung und Schwarzfärbung des Brotes führen. In den deutschen Namen mogelte sich zusätzlich die Wachtel, da damals außerdem geglaubt wurde, die Wachtel würde die dunklen Samen gerne verspeisen. Auf den Zickerschen Bergen gibt es Acker, Wachtel und Acker-Wachtelweizen! Eigentlich ist die Art nur im Süden Deutschlands verbreitet – welch ein Glück, dass wir dem Acker-Wachtelweizen dennoch ein Zuhause bieten können. In der Roten Liste der Gefäßpflanzen MV ist die Pflanze als stark gefährdet gestuft. 

Ihr Bruder der Hain-Wachtelweizen steht hingegen „nur“ auf der Vorwarnliste. Besonders beim Hain-Wachtelweizen, der im Wald des Göhrener Höfts zu finden ist, sticht der Farbkontrast zwischen den violett-blauen Hochblättern und den gelben Blüten ins Auge. Ein zusätzlicher Trick um Bestäuber anzulocken. Um bei der Verbreitung auf Nummer sicher zu gehen, bildet der Hain-Wachtelweizen einen fleischigen Anhang an seinen Samen. Dieser wird gern von Ameisen verzehrt, die dann den ganzen Samen fort tragen und an einem für den Hain-Wachtelweizen günstigen Ort zum keimen ablegen. 

Diesen Kniff tut ihm der Wald-Wachtelweizen gleich. Anders als seine Brüder ist er nicht gefährdet und hat keine schön gefärbten Hochblätter. Bei der Ernährung lassen sich die Geschwister, etwas besonders einfallen: mit den Wurzeln bohren sie benachbarte Gräser an, um ihnen so Wasser und Nährstoffe zu entziehen. Während der Wald-Wachtelweizen die Wurzeln der Blaubeere in der Baaber Heide bevorzugt, zapft der Hain-Wachtelweizen gelegentlich Gehölze an. Um extraviel abzweigen zu können, ist die Transpirationsrate des Hain-Wachtelweizens besonders hoch. Das heißt, die Saugkraft wird maximiert. Die Pflanzenwelt steckt voller Tricks und Ideen! 

Gelb, gelb, gelb sind alle meine Kleider

1. Juni 2022

Gelb, gelb, gelb ist alles, was ich seh’…

Ob Federkleid oder Blütenkleid, auf der heutigen Wanderung durch das Mönchgut sprang mir die Farbe etliche Male ins Auge. Den Anfang machte der Besenginster, der sich auf dem Fliegerberg in voller Blütenpracht zeigte. Obwohl der Besenginster das Monem „-ginster“ in sich trägt, gehört er nicht zur Gattung Ginster, sondern zum Geißklee. Der Rest des Namens führt uns nicht in die Irre. Aus den Zweigen des Strauches wurden früher tatsächlich Besen gefertigt. Hasen und Rehwild nutzen die Besenheide aber nicht zum fegen, sie „verputzen“ stattdessen die Sprosse der Pflanze ungeachtet der giftigen Alkaloide. Auch 57 Schmetterlingsarten laben sich an dem Grün und nutzen es als Raupenfutter. Für Hummeln und mehrere Wildbienenarten sind hingegen die Blüten interessanter. Übrigens… wenn Sie sich mehr Biodiversität im eigenen Garten wünschen, ist der Besenginster ein guter Verbündeter!

Am Fuße des Besenginsters öffnet täglich das Mausohr-Habichtskraut von 8:00 – 15.00 seine gelben Blüten. Allerdings wirkt die kleine Rosettenpflanze nur für uns Menschen gelb. Für ihre Bestäuber, zum Beispiel die Zottelbiene, erscheint die Blüte zweifarbig. Der Grund hierfür findet sich in den Randbereichen der Blüten, die im Gegensatz zum Rest des Blütenkorbes UV-Licht reflektieren. Die Schirmchenflieger, die sich im Anschluss mit der Samenbildung in der Blüte entwickeln, können bis zu 10 km weit fliegen! Unglaublich, oder? Verwendung findet das kleine Habichtskraut u.a. als Augenarznei, was dem Kraut seinen Namen einhandelte. Der Sage nach sollen Habichte mit dem Milchsaft der Pflanze ihre Augen schärfen. Auch die Enden der Zungenblüten erinnern an Habichtsschwingen. 

Ganz anders kam der Große Klappertopf zu seinem Namen, der mir am Fuße des Schafberges und den angrenzenden Feuchtwiesen ins Auge stach. Die lockeren, reifen Früchte klappern bei Wind auffallend laut im Blütenkelch bzw. „-topf“ der Pflanze. Jetzt blüht der Halbschmarotzer jedoch noch zitronengelb und wird, wie der Besenginster, überwiegend von Hummeln bestäubt. Klappertopfarten zapfen mit speziellen Wurzeln (Haustorien) die Wurzelsysteme benachbarter Pflanzen an und entnehmen dort hauptsächlich größere Mengen Wasser. Landwirte tauften die Klappertöpfe deshalb auf die Namen „Milchdieb“ oder „Milchschelm“, da Gräser in ihrer Nähe weniger gut gedeihen. Trotz seiner raffinierten Lebensweise ist der Große Klappertopf in Deutschland inzwischen selten geworden und steht auf der Roten Liste der bedrohten Blütenpflanzen.

Etwas abseits des Großen Klappertopfes auf dem Schafberg steht die Weiße Schwalbenwurz, deren Blüten heute gelblichweiß dreinschauen. Die Weiße Schwalbenwurz ist die einzige heimische Vertreterin der Seidenpflanzengewächse, die ansonsten größtenteils in den Tropen zu finden sind. Auch ihre Blüte hat eine Besonderheit! Sie versprüht einen fischartigen Geruch, durch den besonders Fliegen angezogen werden. Machen diese bei ihren Besuch eine falschen Schritt, gehen sie in die „Klemmfalle“. Beim Versuch sich zu befreien wird der Klemmkörper mitsamt den daran fixierten Pollen herausgezogen. Eine raffinierte Art, sich die Blüten bestäuben zu lassen! 

Für den letzten gelben Farbklecks auf der Wanderung sorgte die Schafstelze, die heute in unseren offenen Kulturlandschaften beheimatet ist, da ihr ursprünglicher Lebensraum, die Feuchtwiesen, immer mehr verschwindet. Damals wie heute macht sie auf dem Mönchsgut ihrem Namen alle Ehre und „stelzt“ auf der Suche nach Nahrung den Weidetieren nach.

Huch, hat hier ein Jäger eine Hexe aus der Luft geschossen? 

16. Mai 2022

Nein, aber genau das glaubten viele Menschen in früheren Zeiten, wenn sie den Fruchtstand einer Kuhschelle sahen. Der seidig glänzende Schopf verlieh der Pflanze eine unheimliche Aura. Heute ist die Wiesen-Kuhschelle, auch Küchenschelle genannt, der absolute Star auf dem Dünenabschnitt zwischen Göhren und Baabe. Ihren Namen verdankt das Hahnenfußgewächs der Form seiner halb geschlossenen Blüten die an Glöckchen oder an eine Kuhschelle erinnern. Die Verniedlichungsform des Wortes Kuh – „Kühchen“ – hat der Pflanze den Namen „Küchen“-Schelle eingehandelt. Es wird also niemand in der Küche verhauen und es klingelt auch nichts beim Kochen. In Mecklenburg-Vorpommern kommt die Wiesen-Kuhschelle in lichten Kiefernwäldern, Küsten- und Binnendünen sowie auf Magerrasen vor. Durch Nährstoffeinträge und Lebensraumverlust ist sie extrem selten geworden. In der Rote Liste Mecklenburg-Vorpommern ist die Wiesen-Kuhschelle deshalb als stark gefährdet gestuft. Welch ein Glück also, dass wir diese Rarität noch bei uns bestaunen dürfen

Kegelrobben in der Ostsee

6. Dezember 2009

Noch vor rund 100 Jahren gab es in der Ostsee etwa 100 000 Kegelrobben. Der damalige Bestand an den ostdeutschen Küsten wird auf 100 bis 200 Tiere geschätzt. Von Fischern als Konkurrenten angesehen, wurden die Tiere gnadenlos gejagt. Die preußische Regierung zahlte fünf Reichsmark für jedes abgeschossene Tier. 1920 wurde in Pommern das vermutlich letzte Tier erlegt. (ddp)

Im Jahre 1993 lebten höchstens noch 6000 Kegelrobben in der Ostsee. Doch die Bestände erholten sich vor allem vor den Küsten von Finnland, Schweden und Estland. Inzwischen werden auf den traditionellen Wurfplätzen wieder etwa 22 000 Tiere gezählt.

Etwa seit 1997 wurden vor Mecklenburg-Vorpommerns Küste immer wieder einzelne Tiere gesichtet. Experten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) hatten 1998 festgestellt, dass es an der ostdeutschen Küste noch immer viele geeignete Habitate für die Meeressäuger gibt. Die Idee, etwa 50 aus Estland stammende Jungtiere auf Rügen wieder anzusiedeln, scheiterte 2001 am Widerstand von Fischern. Seit 2003 werden im Greifswalder Bodden wieder regelmäßig Tiere beobachtet. Inzwischen halten sich die etwa 15 Kegelrobben ganzjährig dort auf. Es gibt sogar Anzeichen dafür, dass auf Usedom die ersten Jungen geboren wurden.

(Quelle: Bundesamt für Naturschutz)

ddp/som/pon

Raffinierte Baukünstler – Schornsteinwespen

22. Juni 2006

Vor Sonnenaufgang ist sie wie gelähmt. Erst wenn die Luft sich erwärmt wird die wechselwarme Schornsteinwespe gelenkig. Dann jedoch geht es mit ihrer Arbeit richtig los. Innerhalb eines einzigen Tages bastelt das schwarz-gelb gestreifte Insekt seinen Nachkommen ein Nest, das seinesgleichen sucht.

Ihr bevorzugtes Baugebiet sind sonnige Lehmwände, in die sie mit ihren starken Kauwerkzeugen kleine Löcher nagt. Das herausgearbeitete Material klebt sie Schicht für Schicht wie einen Schornstein auf die Bruthöhle. Wer ein solches Kunstwerk zu Gesicht bekommen will, muss pünktlich sein. Denn die bizarren Konstruktionen lassen sich nur zwischen 14 und 15 Uhr bestaunen – danach räumt die Wespe den aufgetürmten Lehm wieder ab und verschließt damit das Nest, in das sie in der Zwischenzeit ihr Ei abgelegt und einen Vorrat aus Raupen für ihre Larve verstaut hat.

Diese Woche baut UrlaubsRanger Jens im Beach Camp zusammen mit seinen Gästen eine Lehmwand für die Schornsteinwespe ins Insektenhotel ein. Angst muss vor den kleinen Tierchen niemand haben, denn obwohl sie Wespen sind, sind sie äußerst friedlich.

22.06.2006

Katharina Grund /Urlaubsranger UNESCO Biosphärenreservat Süd-Ost Rügen (www.urlaubsranger.de)

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Geheimnisvolle Waldbewohner – Schließmundschnecken

22. Juni 2006

Sie mag es kühl und feucht, ihre Leibspeise sind Algen und sobald es ihr zu trocken wird versteckt sich die Schließmundschnecke in den Ritzen der Baumrinde oder auch im Laub am Waldboden. Dabei kann sie sich in kleinste Nischen zwängen.

Das Gehäuse hilft, eine Schnecke als Schließmundschnecke zu entlarven: Im Gegensatz zu den meisten anderen Landschnecken ist ihr Gehäuse fast immer links gewunden. Ihren Namen verdankt sie einer millimetergroßen  Kalkplatte, mit der sie ihre Öffnung verschließen kann wie mit einer Tür.

Noch weiß niemand so genau, wozu diese Vorrichtung tatsächlich dient. Im Wald gleich hinter dem Göhrener Bahnhof sind sie zu finden.

19.06.2006

Katharina Grund / Urlaubsranger UNESCO Biosphärenreservat Süd-Ost Rügen (www.urlaubsranger.de)

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